Essays, Finanzielle Bildung

Wie viel Geld brauche ich um von den Zinsen zu leben?

Beim Lesen des schon etwas älteren Romans Eine Billion Dollar stellte ich mir die Frage, wie viel Geld ich auf dem Konto haben muss, damit ich von den Zinsen leben kann. Eine interessante Frage. Und ich war über das Ergebnis geschockt.

Wie viel Geld brauchst du um von den Zinsen zu leben?

Die Antwort auf diese Frage hängt von einigen persönlicher Voraussetzungen ab. Vor allem aber wie viel Einkommen du für deinen momentanen Lebensstandard brauchst, und welche Zinsen du für dein Geld erhältst.

Behalte im Hinterkopf, dass du weniger Einkommen brauchst, wenn du keine Anstellung hast. Das klingt jetzt komisch, entspricht aber der Tatsache, dass du zusätzliche Ausgaben durch deine Arbeit hast. Du brauchst Kleidung wie Anzug, die du vielleicht nicht kaufen würdest, du fährst jeden Tag zur Arbeit und zurück, du isst Mittag in der Kantine.

Eine einfache Rechnung lässt die Höhe des Vermögens grob abschätzen. Nimm dein jährliches Einkommen, welches du erhalten möchtest und dividiere es durch den Zinssatz, welchen du erwartest als Dezimal. Sagen wir mal, ich brauche 40 000 EUR pro Jahr, um gut leben zu können und erhalte einen Zinssatz von 4% auf mein Vermögen; das heisst, ich brauche 40 000 EUR : 0.04 = 1 000 000 EUR, um von den Zinsen leben zu können.

Wie viel Geld brauche ich um von Zinsen zu leben

Bildquelle: Pixabay

Wie erwähnt, sind die 1 Million nur eine grobe Schätzung. In Wirklichkeit brauchen wir mehr, viel mehr. Die Inflation ist darin noch nicht enthalten. Mit anderen Worten nimmt die Inflation von deinem Vermögen jedes Jahr ein Stück weg. Was heute Eine Million ist, ist in 24 Jahren nur noch die Hälfte wert, berechnet mit einer durchschnittlichen Inflation von 3%. Die Inflation kann, je nach Wirtschaftslage höher oder niedriger ausfallen. Das heisst für unser Kapital, es wird mal mehr oder weniger verzehrt. Die Federal Funds Rate der USA ist ein guter Indikator für die Zinsen, welche die Banken bezahlen. Die Grafik zeigt über die letzten 45 Jahre der Verlauf der Zinsen.

Quelle: United States Fed Funds Rate (1971 – 2017): tradingeconomics.com

Wie viel Zinsen wird mein Kapital erwirtschaften?

Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Es gibt verschiedene Kapitalanlagen mit mehr oder weniger Risiko und Zinsen. Fakt ist, auf dem Sparkonto erhalten wir zurzeit fast keine Zinsen. Es ist also Zeit nach anderen Kapitalanlagen Ausschau zu halten, die mehr Erträge bringt als ein Sparbuch, wie ich in diesem Artikel beschrieben habe.

Als Beispiel nehmen wir an, wir haben 100 000 EUR auf dem Konto und sind 40 Jahre alt. Bei einem Zinssatz von 4% ergibt dies nach 25 Jahren zum Renteneintritt einen Betrag von 683 042 EUR. Hier kannst du mit deinen Zahlen die Berechnung anstellen.

Bei einem doppelten Zinssatz von 8% wird es spannend. Da ergeben die anfänglichen 100 000 EUR sogar 1.4 Millionen EUR nach 25 Jahren. Da lässt es sich wirklich gut leben.

Eine bessere Idee als vom Sparkonto zu leben

Die oben angenommenen 8% sind konservativ gerechnet im Vergleich zur Performance des Aktienmarktes der letzten Jahrzehnte. Es kann je nach Kapitalanlage mehr drin liegen. Nochmal fürs geistige Auge: Die 1.4 Millionen vom obigen Beispiel heissen, du erhältst 45 000 EUR pro Jahr über 30 Jahre lang. Ein schöner Gedanke.

Aber: Die Kunst ist es die Gans nicht vorher zu schlachten, welche uns die goldenen Eier legt. Mit anderen Worten dürfen wir vom angelegten Kapital nur so viel entnehmen, dass es auch noch in weiteren Jahren für uns Geld erwirtschaftet. Es ist kein einfaches Thema. Umso früher du dich darum Gedanken machst, desto mehr Zeit hast du, deine Gans zu füttern und wachsen zu lassen.

Als abschliessender Gedanke ein Artikel aus der FAZ und beschreibt, wie schlecht junge Menschen über unsere Altersvorsorge informiert sind und was wir dagegen tun können: Hier geht’s zum Artikel.

(via fool.com)

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  • Andreas

    Hallo. Das ist sehr interessant. Aber auch ein bisschen waghalsig. Ich meine, Du sprichst von 4 bzw. sogar 8%. Die gibt es nur bei Risikokapitalanlagen. Und nur mal angenommen man macht das und geht das Risiko ein, dann läuft so ein Vertrag über max. 5 Jahre. Bei einer Einlage von sagen wir mal 10.000 Euro (was sich bei weitem nicht jeder leisten kann), springen nach 5 Jahren etwa 4.700 Euro dabei raus. Also weniger als 80 Euro monatlich. Zieht man jetzt noch die Inflation ab, dann muss man sich fragen, wie eine so kurze Investition etwas bringen soll.
    Generell denke ich, dass auch eine langfristig angelegte Rentenversicherung durchaus seine Vorzüge hat. Aber auch hier ist die Festverzinsung durch die Inflation nicht wirklich berechenbar. Ich für meinen Teil habe mich gegen eine Rentenversicherung entschieden, nachdem es mir bei der jährlich zugeschickten Neuberechnung der Versicherung meiner Frau eiskalt den Rücken runter läuft.
    Schlussendlich halte ich die Investition in eine Immobilie als die beste Altersvorsorge. Wenn die Miete im Rentenalter wegfällt, gleichen sich die 500-800 Euro, die im Bericht erwähnt werden, am besten wieder aus.

    Falls ich einen Denkfehler habe, darf man mich gerne korrigieren ;)

    • Hallo Andreas, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich meinte keine Risikokapitalanlagen. Wie du richtig schreibst sind die über einen kurzen Zeitraum und die Inflation wird nicht berücksichtigt (plus hohe Verwaltungsgebühr). Ich investiere auf lange Zeit, 10-20 Jahre. Wer sein Portfolio nicht selbst aktiv managen will, der findet sicherlich an den Index-Aktienfond gefallen, wie Warren Buffett kürzlich auch empfohlen hatte. Da sind 4% und mehr nicht unüblich. Bei Aktien sehe ich den Vorteil darin, dass die Inflation nicht ins Gewicht fällt, da die Unternehmen die Inflation ausgleichen (müssen).
      Immobilie als Altersvorsorge zu sehen bin ich vorsichtig. Denn ein Haus/Wohnung kostet danach weiter, es müssen Heizungen, Böden, Leitungen oder Dach ersetzt werden. Diese Kosten sind sich die Wenigstens bewusst. Ja, der Zins fällt weg, es bleiben dann aber dennoch einige 100 EUR pro Monat an laufenden Kosten plus die erwähnten Sanierungs- und Ersatzkosten. So lange ich die Immobilie bewohne, ist es kein Investitionsobjekt. Wie man Vermögenswerte (Asset) und Verpflichtung (Liability) einfach auseinanderhalten kann? Vermögenswerte bringen Geld, Verpflichtungen kosten Geld. Das eigene Haus ist somit… Verpflichtung. Leider.

    • Oliver Falk

      Hi Andreas,
      Es scheitert ja schon daran, dass die wenigsten eine Mio anlegen können, um von den Zinsen zu Leben. So gesehen gehe ich davon aus, dass Dominic die Rechnung rein exemplarisch aufgestellt hat.
      Andersherum gesehen, kannst Du es ja als Anreiz sehen ein solches Vermögen auzubauen, um irgendwann davon leben zu können – auch wenn es zumindest teilweise ist :-)
      Aber auch hier ist die Sicht langfristig. Dabei geht es nicht um Zockerei.
      Die eigene Immobilie sehe ich dagegen auch sehr kritisch. Als Immobilien-Investor sieht die Welt aber schon sehr viel anders aus!
      VG

      Oli

      • Hi Oliver,
        Naja, nicht nur Exemplarisch. Eine Million braucht jeder mindestens. Entweder Privat oder in der Pensionkasse. Mit der Industrialierung übernahm die Altervorsorge der Arbeitgeber, als zusätzlicher Anreiz für ihn zu arbeiten. Er überbrückte damit die 4-5 Jahre, die der Arbeitnehmer nach der Pension noch lebte. Die Welt hat sich geändert. Das Arbeiten hat sich geändert. Der Bedarf hat sich geändert. Nur nicht die Altersvorsorge…

        • Oli

          Moin,
          ok – das mag für Leute wie uns beide und in unserem Alter liegen. Denn ein entsprechender Lebensstil will finanziert werden. Dann dürfte die Mio aber auch verdammt eng werden.
          Die Realität sieht leider anders aus und viele müssen mit weit weniger klarkommen.
          Darum sehe ich die Mio weiter als exemplarisch an. Jeder muss da seine eigen Zahl realistisch aus angenommener Inflation, Risikoappetit, erwartetem Gewinn aus der Kapitalanlage, Start des Lebens vom Kapital und erwarteter Lebenserwartung ableiten. Zugegeben: das ist nicht sehr einfach ;-)
          Aber für ein gutes Beispiel und Augenöffner, wie Du es gegeben hast, ist die Zahl trotzdem ein sehr guter Indikator!
          Können gerne mal wieder telefonieren und philosophieren :-)
          Beste Grüße
          Oli

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About Dominic

Dominic Franck ist Unternehmer und baut das Unternehmen Fairwindel auf. Er schreibt hier über seine Erfahrungen mit dem eigenen Unternehmen und die Vereinbarkeit mit der Familie. Um die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, arbeitet Dominic an seiner finanziellen Bildung.