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Darum ist Bitcoin kein Investment

Darum ist Bitcoin kein Investment

Bitcoin hat sich in kurzer Zeit vertausendfacht. Es ist noch immer kein Ende in Sicht. Die Kryptowährung ist nach dem Value-Ansatz kein Investment, sondern Spekulation. Sie birgt grosse Risiken. Nicht nur für den einzelnen Anleger.

Vor allem durch den bekanntesten Vertreter Bitcoin, erhält die Kryptowährung eine weltweite Aufmerksamkeit. Der Wert des Bitcoins hat sich innerhalb kurzer Zeit fast vertausendfacht. Das weckt Begehrlichkeiten der Trader und Spekulanten. Und auch von Kleinanlegern.

Bitcoin kein investment

Der Aufstieg von Bitcoin begann anfangs 2017 (Daten: Bitcoin.com, Grafik: Familypreneur.de)

Bitcoin startete 2009 als erste digitale Währung und kommt ohne Finanzinstitute aus. Die Erzeugung der digitalen Währung passiert in komplexen Rechenprozessen und liegt der Blockchain-Technologie zugrunde. In einer Blockchain werden alle Transaktionen gespeichert, verschlüsselt und an die Bitcoin-Minen verteilt. Die Bitcoin-Minen sind die digitalen Buchhalter des Netzwerkes und überprüfen jede Transaktion auf die Richtigkeit. Ganz klar bringt die Kryptowährung Vorteile mit sich:

  • Die Kryptowährung macht den Vermittler, also die Bank, überflüssig (P2P)
  • Die Transaktion kostet nur wenige Cents
  • Die Kryptowährung ist dezentral und wird (noch) von niemandem kontrolliert oder geregelt

Definition eines Investments

Finden wir heraus, ob Bitcoin und Co ein Investment ist. Für die Frage nach einem intelligenten Investment müssen wir zuerst einer weiteren Frage nachgehen: Wie wird ein Investment definiert? Benjamin Graham unterscheidet Investition und Spekulation in seinem Lehrbuch Security Analysis (1939) wie folgt:

An investment operation is one which, upon thorough analysis, promises safety of principal and gives a satisfactory return. Operations not meeting these requirements are speculative.

Ein Investment muss die Sicherheit des investierten Kapitals und eine zufriedenstellende Rendite gewährleisten. Zudem setzt dies eine sorgfältige Analyse und tiefes Verständnis für das Investment voraus. Bei Aktienunternehmen ohne Dividendenzahlung erfolgt die “zufriedenstellende Rendite” über den Kapitalgewinn beim Verkauf. Alle Tätigkeiten, die diese Anforderungen nicht erfüllen, sind demzufolge spekulativer Natur.

Eine wichtige Rolle spielt der Preis. Durch sorgfältige Analyse des Investments (Cashflow der Vergangenheit und Zukunftsaussichten) wollen wir wissen, ob der Preis unter oder über dem intrinsischen Wert liegt. Dieser Sicherheitsgedanke ist wichtig, um unser Investment vor Verlusten zu schützen, welche die Unbeständigkeit der Wirtschaft mit sich bringt.

Ist Bitcoin eine Währung?

Was macht eine Währung wertvoll? Eine Währung ist der “Speicher” für Reichtum und basiert auf Vertrauen. Wir gehen 8 Stunden arbeiten und erhalten von unserer Firma den Lohn in Form von Geld, welches deine Arbeit repräsentiert. Der Tausch deiner Zeit (und Fähigkeiten) gegen Euros. Auf der anderen Seite erhalten wir im Tausch für unser Geld Lebensmittel, Benzin oder können in einer Wohnung leben. Dies setzt ein großes Vertrauen in die Währung voraus, dass deine Arbeit morgen noch immer gleich viel Wert ist wie heute.

Immer mehr stationäre Shops und Restaurants akzeptieren eine Kryptowährung, meist Bitcoin. Nur fungiert die Kryptowährung nicht als echte Währung. Denn der zu zahlende Betrag wird in den aktuellen Bitcoin-Kurs umgerechnet. Bitcoin ist demzufolge noch weit von einer Währung nach traditioneller Definition entfernt.

Was macht die Kryptowährung so schwierig?

Erstens ist der Preis direkt von der Nachfrage abhängig. Die Bitcoin-Menge ist begrenzt. Umso mehr Bitcoins im Umlauf sind, desto schwieriger ist das “Schürfen” in den Bitcoin-Minen, was den Preis steigen lässt. In der Theorie sind maximal 21 Millionen Bitcoins möglich. Das macht die Kryptowährung sehr volatil, da ökonomische Massnahmen zur Stabilisierung nicht funktionieren können. Das ist eine Schattenseite der Unabhängigkeit und Dezentralisierung. In der Vergangenheit schwankte der Wert im zweistelligen Prozentbereich, teilweise innerhalb weniger Tage. Diese Volatilität wird zukünftig zunehmen. Zweitens muss die Kryptowährung immer in eine (richtige) Währung umgerechnet werden. Drittens wird Bitcoin nicht als eigene Währung akzeptiert. Viertens existieren neben Bitcoin noch weitere Kryptowährungen, welche in direkter Konkurrenz stehen. Bitcoin ist demnach eher eine “Commodity” wie Gold, ein Picasso oder Tulpen und kann nicht als eigenständige Währung wie der USD oder EUR betrachten werden.

Die Kryptowährung aus Sicht des Value Investors

Ein intelligentes Investment zeichnet sich durch ein hohes Mass an Sicherheit inklusive stabilem Cashflow und Wachstum und einem fairen Preis aus. Um dies sicherzustellen, bedarf es einer sorgfältigen Analyse und Überlegungen. Der Value Investor betrachtet folgende drei von vier Punkten:

  1. Starker Moat
    Das Investment sollte durch einen starken Moat (Burggraben) geschützt sein. Bei Bitcoin ist der Name der Kryptowährung bekannt, reicht aber als Moat nicht aus, wie es zum Beispiel bei Disney oder Coca-Cola der Fall ist.
  2. Tiefes Verständnis für das Investment
    Der Value-Investor muss das Investment, das zugrunde liegende Businessmodell und die Zusammenhänge verstehen. Charles Munger spricht vom “Circle of Competence”, seine eigene Kompetenz zu kennen und sich darauf zu konzentrieren. “Know what you don’t know”. Bitcoin ist zu undurchschaubar, die Abhängigkeiten und Risiken sind nicht kalkulierbar.
  3. Fairer Preis mit Sicherheitsmarge
    Um mit guter Sicherheitsmarge einzusteigen, muss der Value-Investor den intrinsischen Wert kennen. Dazu benötige ich zum Beispiel die Historie über Cashflow, Assets, Wachstum und Zukunftsprognosen. Auch hier bietet mir Bitcoin keine Anhaltspunkte. Der intrinische Wert des Investments wird durch Assets wie Patente, Maschinen oder Vorräte mitbestimmt, wie es bei Aktienunternehmen der Fall ist. Bei Bitcoin fehlt diese Sicherheit komplett. Somit beruht der Preis der Kryptowährung nur auf dem Glauben und der Hoffnung, dass er weiter steigt. Es gibt keine Sicherheitsmarge.

Es fehlt der vierte Punkt für ein intelligentes Investment: ein integeres und talentiertes Management. Da eine Kryptowährung nicht gemanagt wird, habe ich diesen Punkt ausgelassen. Sie findet bei Aktienunternehmen Anwendung.

Crash durch Bitcoin?

Hat Bitcoin Auswirkungen auf unsere Finanzwelt? Die ungehaltene Euphorie bei Bitcoin löst bei mir Gelben Alarm aus. Sogar Grossmütter wollen Bitcoin, wie das WSJ berichtet. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Bitcoin bei der nächsten Korrektur eine Rolle spielt. Wie könnte es dazu kommen? Verstärkt durch die hohe Volatilität des Bitcoins können Abverkäufe gepaart mit Events und womöglich Vertrauensverlust den Bitcoin-Kurs noch stärker fallen lassen. Durch den entstandenden Verlust und Geldrückruf der Anleger sind Spekulanten gezwungen, einige ihrer Aktienpositionen zu verkaufen. Dies kann eine Abwärtsspirale am Finanzmarkt auslösen. Wie es die Geschichte zeigt, flüchten Anleger in solchen Bust-Phasen in reale Werte wie Gold oder Silber. Die Angst treibt die Spekulanten weg von “virtuellen Assets”, wie Bitcoin es ist. Bis es aber dazu kommt, müssen die Kryptowährungen noch steigen. Denn sie machen zurzeit erst eine Marktkapitalisierung von 300 Mrd USD aus, etwa so viel wie US-amer. Finanzdienstleistungsunternehmen Wells Fargo.

Ein weitere und unterschätze Gefahr geht allerdings vom durchschnittlichen Joe aus, welcher nicht finanziell gebildet ist, wie ein professioneller Fond-Manager. Fällt der Bitcoin-Kurs für längere Zeit, flüchtet Joe angsterfüllt aus der Kryptowährung. Somit wird ein großer Teil seiner Einlage vernichtet. Sehr wahrscheinlich stieg er am Zenit ein. Der schmerzliche Verlust und fehlende Liquidität hält ihn vom Kauf weiterer Konsumgüter ab, was bis jetzt mitunter das Wirtschaftswachstum stimuliert hatte. Wir wissen, was dann folgt. Aus Gier wird Angst.

Be Fearful When Others Are Greedy and Greedy When Others Are Fearful — Warren Buffett

Kürzlich warnte die BaFin sowie auch Randal Quarles, Mitglied der Amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), vor den Gefahren, die von Kryptowährungen ausgehen. Sie könnten die Stabilität des Finanzsystems gefährden.

Fazit

Nach der Graham’schen Definition ist die Kryptowährung spekulative, wie wir oben gesehen haben. Auch bei den Value-Investing-Kriterien konnte Bitcoin nicht punkten. Der Preis von Bitcoin wird durch die Euphorie und Spekulation getrieben. Für mich ist die Kryptowährung kein Investment, sondern Spekulation, wie es ein Picasso oder Rembrandt ist. Die Hoffnung, dass jemand später mehr bezahlt, ist mit einem zu hohen und unkalkulierbaren Risiko verbunden. Mir fehlt der Moat, das tiefe Verständnis und die Sicherheitsmarge, welche mich vor Verlust schützen.

Aber! Die Bitcoin zugrunde liegende BlockchainTechnologie ist allerdings sehr interessant und kann für diverse Anwendungen eingesetzt werden. Ein Beispiel wäre für Flaschenpfand, Logistik oder in der Strombranche. Bei der Blockchain-Technologie stehen wir erst am Anfang. Vieles spricht dafür, dass dies eine disruptive Technologie ist. Kryptowährungen werden Gold und Dollars in den nächsten 10 Jahren wohl nicht ersetzen.

(Titelbild: pixabay.com/geralt unter CC0 Creative Commons)

Der Artikel erschien zuerst auf Medium

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  • Thies Eggers

    Toller Artikel! Eine differenzierte Betrachtung nach vernünftigen Kriterien tut sehr gut in Zeiten eines Medien Hypes um das Thema.

    Noch eine Frage: was ist dran an dem Thema, dass Bitcoins vor allem vom organisiertem Verbrechen genutzt werden, und wie sollte der Anleger darauf reagieren? Dies ist ja auch ein Vorwurf an das Bargeld, und andere Länder haben größere Bargeldscheine über 500€ verboten / abgeschafft, nur Deutschland kann sich nicht überwinden.
    Auch das Darknet wurde als Anonymisierungsmittel zum Schutz gegen repressive Regimes erfunden, und heute kann man darüber Drogen und Waffen kaufen ….

    • Vielen Dank, Thies.
      Egal welches Zahlungsmittel, es kann für kriminelle Machenschaften verwendet werden. Wir haben darum immer noch Vertrauen in unsere Währung und bezahlen damit. Kriminalität sucht immer ihren Wege. Wenn der 500er-Schein abgeschafft wird, holen sie sich andere Equivalent wie Goldmünzen Krügerrand 1 oz). Der Wert wäre mehr als doppelt so hoch, nämlich 1200 EUR. Wird Bargeld komplett abgeschafft, stellt sich eine Schattenwirtschaft ein.

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About Dominic

Dominic Franck ist Unternehmer und baut das Unternehmen Fairwindel auf. Er schreibt hier über seine Erfahrungen mit dem eigenen Unternehmen und die Vereinbarkeit mit der Familie. Um die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, arbeitet Dominic an seiner finanziellen Bildung.